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Professor Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, in seiner Email zum Eichmann-Foto vom 27. Juli 2017: „Vielen Dank für die Informationen.“

geschrieben am 7. August 2017

Am 27. Juli 2017 schickte Professor Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, dem Marie-Josenhans-Institut eine Email. Er antwortete damit auf die Email des Marie-Josenhans-Instituts vom 23. Juli 2017.

Von: Oliver Rathkolb An: Soonim Shin
Datum: 27. Juli 2017 um 09:16
Betreff: Re: Gefundenes Foto – Ihre Antwort vom 10. März 2017

Vielen Dank für die Informationen
beste Grüße

Oliver Rathkolb

Univ.-Prof. Dr. Dr. Oliver Rathkolb
Vorstand des
Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien
A-1090 Wien, Spitalgasse 2, Hof 1

Von: Soonim Shin
An: oliver.rathkolb@univie.ac.at, florian.wenninger@univie.ac.at
Datum: 23. Juli 2017 um 9:22
Betreff: Gefundenes Foto – Ihre Antwort vom 10. März 2017

Sehr geehrter Herr Professor Rathkolb,
sehr geehrter Herr Mag. Wenninger,

vielen Dank für Ihre Antwort vom 10. März 2017.

Das von mir gefundene Foto ist in meinem Video bei Youtube zu sehen:

Am Mittwoch hatte ich Herrn Professor Pyta über den Fund informiert; noch am gleichen Tag antwortete mir Herr Privatdozent Martin Cüppers (siehe Emails unten).

Ja, die Personen auf dem von mir gefundenen Gruppenfoto tragen Uniformen des NSKK. Auf den Kragenspiegeln steht „Sp“. Sie sind damit Angehörige der „Transportstandarte Speer“ bzw. des „Transportkorps Speer“.

Der Wikipedia-Artikel zum „Transportkorps Speer“:

https://de.wikipedia.org/wiki/Transportkorps_Speer

Bilder von Uniformen des „Transportkorps Speer“ im Internet:

http://www.warrelics.eu/forum/non-combat-uniforms-related-insignia-thi
rd-reich/transport-gruppe-todt-speer-uniforms-4729/

Allerdings trägt eine Person auf dem Foto eine SS-Uniform, und zwar der Mann links neben Eichmann, der das Windlicht in der Hand hält.

In dem Buch „Motorisierung und ‚Volksgemeinschaft‘. Das Nationalsozialistische Kraftfahrerkorps (NSKK) 1931 – 1945“ von Dorothee Hochstetter (R. Oldenbourg Verlag München 2005) findet sich
auch ein Unterkapitel „Kriegsverbrechen und Judenmord“. Auf Seite 474 spricht Hochstetter über die Aktivitäten der 17. Kompanie der Transportstandarte Speer, die mit 2000 Autos und Lastwagen
„Transportaufgaben“ um Lemberg wahrnahm. Die Kompanie war „verpflichtet, den Fahrzeuganforderungen der SS- und Polizeiverbände zu entsprechen.“ Hochstetter zitiert die Aussage eines Zeugen, der als „Schirrmeister“ in dieser Kompanie tätig war: „In den Meldungen der Kolonnenführer über die Einsätze kam nicht zum Ausdruck, wofür die Lkw benötigt wurden. […] Dabei ist mir auch in Gesprächen mit Kolonnenführern zu Ohren gekommen, dass Fahrzeuge unserer Kompanie zum Abtransport von Juden benutzt worden sind. Es war auch bekannt, dass diese Abtransporte des öfteren im Zusammenhang mit den geplanten Judenexekutionen standen. Einzelheiten solcher Maßnahmen sind mir jedoch nicht bekannt.“

Hochstetter resümiert: „Es ist zweifelhaft, ob die arbeitsteilige Trennung in nur für Baumaßnahmen zuständige OT- bzw. NSKK-Einheiten auf der einen Seite und in nur für die Bewachung, Sammlung und
Ermordung von Gefangenen zuständige SS- und Polizeieinheiten in jedem Fall eingehalten wurde.“ („OT“ bedeutet „Organisation Todt“.)

Das gefundene Foto zeigt, dass SD-Mann Adolf Eichmann, Inhaber des Eisernen Kreuzes, und „seine Männer“, also die „Organisation Eichmann“, im Zweiten Weltkrieg den Judenmord VOR ORT organisierten, und zwar ALS ANGEHÖRIGE DER TRANSPORTSTANDARTE SPEER.

Im Anhang sende ich eine Gegenüberstellung des „Wikipedia-Fotos“ von Eichmann und den Ausschnitt meines Gruppenfotos, der Eichmann zeigt. Ich sende die beiden Fotos auch als separate Dateien.
Unten finden Sie auch die Korrespondenz mit Herrn Professor Brocke.

Freundliche Grüße

Soonim SHIN
Magistra Artium (M. A.)
Wien