Dr. Klaus A. Lankheit, Archivleiter des Instituts für Zeitgeschichte München, in seiner Email vom 3. August 2017: „Beim abgebildeten Hauptsturmführer handelt es sich also mit ziemlicher Sicherheit nicht um Adolf Eichmann.“
geschrieben am 8. August 2017
Am 10. März 2017 wandte sich das Marie-Josenhans-Institut in einer Email an das Institut für Zeitgeschichte München. Die eigentliche Frage war: Welche Männer sind neben Eichmann auf dem in Wien gefundenen Foto abgebildet ? Die Antwort von Dr. Klaus A. Lankheit, Archivleiter des Instituts für Zeitgeschichte München, nach fast fünf Monaten: Da der Mann in der Mitte der ersten Reihe eine NSKK-Uniform trage, könne er „mit ziemlicher Sicherheit“ nicht Adolf Eichmann sein.
Allerdings verweist Dr. Lankheit selbst auf die „oft verharmloste Rolle des NSKK“ und empfiehlt dazu das Buch von Dorothee Hochstetter „Motorisierung und ‚Volksgemeinschaft'“ aus dem Jahr 2005. Und zwar zitiert Hochstetter in diesem Buch einen Angehörigen der NSKK-Transportstandarte Speer, der sagte, „dass Fahrzeuge unserer Kompanie zum Abtransport von Juden benutzt worden sind. Es war auch bekannt, dass diese Abtransporte des öfteren im Zusammenhang mit den geplanten Judenexekutionen standen.“ Angehörige des NSKK – insbesondere der Transportstandarte Speer – waren also sehr wohl am Judenmord beteiligt. Die NSKK-Uniform spricht also gar nicht dagegen, dass Eichmann auf dem Foto ist. Im Gegenteil: Wie sich aus dem Foto ergibt, haben Eichmann und seine Männer gerade in Uniformen der NSKK – als Angehörige von Speers Transportstandarte – den Mord an Juden vor Ort „organisiert“. Das war freilich bisher nicht bekannt – die „Organisation Eichmann“ war eben eine Geheimorganisation, die bis heute noch in weiten Teilen im Dunkel liegt. Diese Erkenntnis, dass Eichmann unter dem Kommandanten Albert Speer mordete, war für Professor Chomsky (in seiner Email vom 1. August 2017) eine der „wichtigen Entdeckungen“, die sich aus dem gefundenen Foto ergibt.
Hier Dr. Lankheits Email im Wortlaut:
Von: Dr. Klaus A. Lankheit
Datum: 3. August 2017 um 12:07
Betreff: Ihre Anfrage vom 10. März 2017, Gruppenfoto
Az.: A I – KAL/22265
Sehr geehrte Frau Shin,
die auf dem Gruppenfoto abgebideten Männer tragen keine SD-Uniformen. Bei dieser war der rechte Kragenspiegel schwarz und am linken Ärmel die „SD“-Raute angebracht.
Meines Erachtens tragen die Männer die feldgraue Uniform des NSKK. Das NSKK-Abzeichen ist an allen linken Ärmeln und auf der Mütze des Hauptsturmführers recht gut zu erkennen. Darunter am gleichen Ärmel scheinen die, die den Arm günstig halten, soweit bei der vorliegenden Auflösung zu erkennen, ein Kraftfahrerabzeichen zu tragen.
Die Barracken, die in den verschiedensten Lagern verwendet wurden, waren weitgehend normiert, der Hintergrund lässt also keine Rückschlüsse zu.
Mit dem von Ihnen gegebenen Hinweis auf Erich Gruber und den „Fundort“ des Bildes würde ich folgende Einschätzung geben: Abschlussfoto eines NSKK-Kraftfahrerlehrganges im Gau Niederdonau, zu datieren (aufgrund der sporadischen Kriegsauszeichnungen und der feldgrauen Uniformen geschätzt) zwischen 1940 und 1943.
Beim abgebildeten Hauptsturmführer handelt es sich also mit ziemlicher Sicherheit nicht um Adolf Eichmann.
Zur oft verharmlosten Rolle des NSKK empfehle ich das Buch: Dorothee Hochstetter, Motorisierung und „Volksgemeinschaft“. Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) 1931 – 1945, München 2005.
Ich bitte um Verständnis, dass eine derartige Recherche auch Zeit braucht, und hoffe, Ihnen geholfen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Klaus A. Lankheit
Archivleiter