Uwe Runkel, Leiter der Gemeinschaftsschule Berlin-Friedenau, am 6. April 2017 in der „Jüdischen Allgemeinen“: „Bei der Anmeldung des Schülers habe ich die Mutter darauf hingewiesen, dass wir keine Erfahrung mit jüdischen Schülern haben, die wie der 14-jährige offen mit ihrer Religion umgehen.“
geschrieben am 7. April 2017
Am Montag, den 3. April 2017, wollte Uwe Runkel, der Leiter der Friedenauer Gemeinschaftsschule, nicht mit Fernseh-Journalisten sprechen. Im Fernsehbeitrag der ARD-Tagesthemen berichtete RBB-Journalist Martin Krebbers: „Von der Schulleitung mag niemand vor die Kamera.“ Allerdings sah Herr Runkel diese Woche kein Problem darin, mit einer Journalistin der „Jüdischen Allgemeinen“ zu reden. Dieser Journalistin sagte Uwe Runkel: „Bei der Anmeldung des Schülers habe ich die Mutter darauf hingewiesen, dass wir keine Erfahrung mit jüdischen Schülern haben, die wie der 14-jährige offen mit ihrer Religion umgehen.“
Szenenwechsel. Es ist März 2016. In der Aula der Friedenauer Gemeinschaftsschule findet „eine kleine Feier“ statt, wie Karen Noetzel in der Zeitung „Berliner Woche“ schilderte. Die Aula ist mit Luftballons geschmückt. Auf einem Foto ist Uwe Runkel zu sehen, wie er stolz eine Urkunde vorzeigt: die Urkunde, dass seine Schule eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ geworden ist. Und der Text zu diesem Bild lautet: „Schulleiter Uwe Runkel freut sich gemeinsam mit der Projekt-Patin, Senatorin Dilek Kolat (SPD), über den Titel.“ Karen Noetzel schreibt in ihrem Artikel, der Titel „Schule ohne Rassismus“ sei als „Selbstverpflichtung“ zu verstehen, nicht als „Lorbeeren zum Ausruhen“. Frau Noetzel zitiert Sanem Kleff, die Leiterin des Netzwerks „Schule ohne Rassismus“, mit diesen Worten: „Die Schule hat als erstes Ziel formuliert, dass sie Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit, unabhängig von den Voraussetzungen und Begabungen der Jugendlichen, fördert.“ Und Dilek Kolat, damalige Senatorin für Arbeit, Frauen, Integration und heutige Senatorin für Gesundheit, Pflege, Gleichstellung in Berlin, meinte, es sei „notwendig, schon sehr früh über Respekt miteinander zu reden, gerade in einer Zeit, da viele Flüchtlinge nach Deutschland und nach Berlin kommen (…).“
Wie die „Jüdische Allgemeine“ berichtete, habe der 14jährige, der wegen seiner jüdischen Religion gemobbt wurde, weniger als vier Monate die Schule in Friedenau besucht; er ist also im Dezember 2016 zu dieser Schule gewechselt. Die Mutter wünschte sich eine „multikulturelle Schule“, sagte sie der „Jüdischen Allgemeinen“.
Seltsam nun, dass Schulleiter Runkel der Mutter bei der Anmeldung ihres Sohnes – wenige Monate nach der Feier in der Aula – gesagt haben will, er habe keine Erfahrung mit jüdischen Schülern, die offen über ihre Religion sprechen. Meint Runkel damit, dass er den 14jährigen davor gewarnt habe, sich zu seiner jüdischen Religion zu bekennen ? Dass ein Bekenntnis zum Judentum sozusagen auf eigene Gefahr erfolge, dass er für solche Schüler keine Verantwortung übernehmen wolle ?
Das erste Ziel der Friedenauer „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ war doch, Chancengleichheit zu fördern. Christen dürfen sagen, dass sie Christen sind, Muslime, dass sie Muslime sind, aber dass sie Juden sind, sollen Juden in einer staatlichen Berliner Schule offenbar nicht sagen. Wo bleiben da Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit ? Senatorin Kolat hat ja – nur wenige Monate vor den antisemitischen Vorfällen in der Schule – in der Aula der Friedenauer Schule gefordert, „schon sehr früh über Respekt miteinander zu reden“.
Hat Herr Runkel es aufgegeben, für gegenseitigen Respekt in seiner Schule zu sorgen ? Will er einfach, dass jüdische Schüler ihr Judentum verleugnen ? Will er also Ruhe um jeden Preis ?
Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO lautet: „Jeder hat das Recht auf (…) Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein (…), seine Religion (…) öffentlich oder privat (…) zu bekennen.“ Gilt Artikel 18 der UNO-Menschenrechts-Charta in Berlin-Friedenau nicht ?
Herr Runkel sagte der „Jüdischen Allgemeinen“ auch, einer der beiden Mitschüler, die den 14jährigen an der Bushaltestelle angegriffen hätten, sei „erst wenige Tage zuvor nach einer Ordnungsmaßnahme an unsere Schule versetzt worden“. Wieso nimmt Herr Runkel überhaupt solche Problemschüler mit arabischem oder türkischem Hintergrund auf, gerade zu einer Zeit, in der das Mobbing gegen den jüdischen Schüler stattfindet ?
Hat Herr Runkel vielleicht auch noch den kriminellen Problemschüler gerade in die Klasse des 14jährigen jüdischen Schülers getan – und dadurch Öl ins Feuer gegossen ?
Und was sagt Gleichstellungssenatorin Kolat zu ihrer Patenschule ?